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Meer


 
Äg. Marsa Alam

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Ägypten

Marsa Alam

Hotel: Oasis    Tauchcenter: Werner Lau & Sinai Divers            

 

Direkt an der Küste, mit dem Rücken zum Meer und gut 30 Meter über selbigem stehend, ist es leicht, sich vorzustellen, auf dem Wohnsitz des griechischen Kriegsgottes Ares (Mars) zu stehen. Allein die salzige Luft und das Rauschen der Brandung holt einen in die Wirklichkeit zurück. Na ja, vielleicht auch noch die Sonne, die recht deutlich auf sich aufmerksam macht. Schließlich sind wir hier im Süden. Ziemlich genau 280 Kilometer von Hurghada entfernt. Der Stadt, in der der Tauchsport im Roten Meer praktisch begründet wurde. Und hier, in Marsa Alam, erinnert man sich an Tauchpioniere, die von einsamen Küsten und einem kleinen Fischerdorf sprachen. Heute kann man Hurghada bereits als größere Stadt bezeichnen, mit einem nicht mehr überschaubaren Angebot an Hotels, Geschäften und natürlich Tauchbasen.
Ganz anders hingegen ist Marsa Alam, wo sich schon die Suche nach einem Friseur als eher schwierig erweist. Nur zum Haare schneiden kommen allerdings die wenigstens hierher. Die meisten zieht es Richtung Wasser und dort noch ein oder zwei Stockwerke tiefer. Dabei findet das Tauchen hier weitgehend im Bereich der Küste statt. Denn weiter draußen liegende Riffe gibt es nur wenige. Dafür aber recht berühmte, wie das Elphinstone Riff. Ein Highlight, das von dem ein oder anderen Hotel aus, wie dem Oasis, auch schon mal mit dem Zodiac angefahren wird. Die Mehrzahl der Tauchplätze erreicht man jedoch mit dem Jeep oder Minibus. Einerseits ist es sehr schön schon nach 10 bis 15 Minuten vor Ort zu sein, andererseits ist es nicht unbedingt bequem, sich am Strand in sengender Hitze umzuziehen und über steinige Riffdächer zur eigentlichen Einstiegsstelle zu marschieren.
Zudem der Hauch von Ursprünglichkeit und Abenteuer verweht wird von den, teils kommerziell genutzten Strandabschnitten, an denen die Tauchplätze schon mal liegen.

 
 

Fast wie im Gebirge fühlt man sich, wenn man vom Oasis zum Nachbarhotel Kahramana wandert. Der Weg beginnt direkt am Strand und führt über schmale Pfade über die gut 30 Meter hohe Steilküste.
Außer einem wirklich guten Panoramablick findet man hier in sattem Rot leuchtende Hügel.
Etwas tiefer lohnt es sich, die Felsen und den Boden etwas näher zu betrachten. Bis in etwa 20 Meter Höhe findet man Spuren von Muscheln, Schneckenhäusern und Korallen. Was darauf hin deutet, dass dieser Teil der Küste einmal unter Wasser gestanden hat.

     
 
Sonnenaufgang, vom SSI-Tauchcenter des Oasis Dive Club aus gesehen.   Eine schmale Eingrenzung aus Bojen markiert die Einstiegsstelle am Tauchplatz Marsa Abu Dabbab.
 

 
Es ist 05:10 Uhr morgens, als eine schöne, aber nicht gerade willkommene Melodie aus dem Handy klingt. Doch wer früh tauchen will, muß auch früh aufstehen. Hat man das erst einmal geschafft, wird man an guten Tagen von einem fantastischen Sonnenaufgang begrüßt. Und während das Briefing nützliche Informationen über den Tauchplatz preisgibt, fahren die ersten Jeeps los, um die Ausrüstung nach Marsa Abu Dabbab zu bringen. Gefolgt von den Tauchern, die es sich in klimatisierten Minibussen bequem machen dürfen. Etwas irritiert verläßt man diese nach nur 10 Minuten wieder und betritt den eingezäunten Strandabschnitt einer klassischen Badebucht. Hier soll ein guter Tauchplatz sein? Vom ersten Eindruck her schwer zu glauben. Erinnerungen ans Briefing drängen sich ins Bewusstsein. In der Mitte eine Seegraswiese und links und rechts davon Korallenriffe,  die bis in 20 Meter Tiefe reichen.  Weit reicht der Blick über die Bucht, aber sattes Blau, das auf tieferes Wasser hindeutet, ist nicht zu sehen.

Im Wasser heißt es dann tief ausatmen. Nur mit wenig Luft in der Lunge schafft man es bei nur 3 Meter Wassertiefe unten zu bleiben. Im Falle des nördlichen Riffs für gut 15 bis 20 Minuten, denn früher erreicht man tieferes Wasser eher nicht. Doch unser erstes Ziel sind die Seegraswiesen.
Der ein oder andere Mittelmeertaucher wird minutenlang darauf warten, diese endlich zu erreichen und erst allmählich begreifen, dass er sich schon mittendrin befindet. Vereinzelte, mehr bräunliche als saftig grüne, Halme sprießen aus dem sandigen Boden. 
Zu wenig,  um  wirklich  Eindruck  machen  zu können  und im Vergleich mit manch gut bewachsenem heimischen See eigentlich nicht der Rede wert. Eigentlich, wenn man nicht mit Glück recht früh, mit Pech erst nach 40 Minuten, den Grund für die Spärlichkeit entdeckt.

Schildkröten! Von einer Größe, dass manch Taucher sich dahinter verstecken kann. Absolut gelassen und unbeeindruckt von all den Tauchern weiden sie in fast stoischer Ruhe die Halme ab. Um dann unerwartet den Kopf zu heben, sich vom Boden zu lösen und zur Wasseroberfläche aufzusteigen, wo sie sich einen gelegentlichen Atemzug gönnen. Und immer wieder gibt es auch einige, die bereit sind, für eine schöne Aufnahme zu posieren.

 

 

Ganz anders die Geigenrochen, die ebenfalls hier zu finden sind. Sie huschen in reger Geschäftigkeit dicht über den Boden, auf der Suche nach schmackhaften Krebsen, die sich im Sand verstecken.
Nicht zu verachten ist aber auch der Flachwasserbereich, wo in knapp 2 Meter Tiefe Kofferfische und junge Kugelfische zu finden sind und Taucher zuweilen auch recht nah an sich heranlassen.
Ganz anders die beiden Imperator Kaiserfische, die nur Zentimeter vom Ufer entfernt jeden Fuß attackieren, der abseits des eingezäunten Einstiegsbereichs ins Wasser gesetzt wird. Natürlich nur zum Schein, aber doch auffallend und absolut sehenswert.
Und schon kurz nach Ende des Tauchgangs erkennt man auch den Grund, warum es besser ist, hier in aller Frühe zu tauchen. Denn nicht nur ein Bus bringt weitere Taucher, Schnorchler und Badegäste.

 
 

Elphinstone. Eins der berühmtesten Riffe des südlichen Roten Meeres. Bekannt für häufige Sichtungen von Hammerhaien und Weißspitzen Hochseehaien.
Benannt ist das Riff nach seinem Entdecker (Elphin) und einem Granitstein, der, für Sporttaucher leider unerreichbar, in 55 Meter Tiefe liegt. Das Besondere an diesem Stein ist, dass er von Größe und Art identisch ist mit den Steinen, die in Grabkammern von Pyramiden verbaut wurden. Das Elphinstoneriff ist ca. 450 Meter lang und bietet beachtliche Steilwände, die erst in gut 50 Meter Tiefe ein Plateau finden, bevor es weiter bis auf 250 Meter Tiefe geht. Da das Elphinstoneriff nur 7 Kilometer von der Küste entfernt ist, ist es von einigen Dive Resorts schon mit dem Zodiac innerhalb von 20 Minuten erreichbar. Und glücklicherweise sind diese Zodiacs etwas größer und geräumiger, als die, die man auf Safaribooten zur Verfügung hat.

Das Riff selbst ist übrigens gut vergleichbar mit Abu Kafan, südlich von Safaga. Auch hier gibt es im Norden und Süden des Riffs Plateaus, die sehr gut mit Weichkorallen bewachsen sind. Die Steilwand ist ebenfalls wirklich dicht bewachsen und übersät von roten Riffbarschen, zwischen denen man immer wieder Juwelenbarsche findet. Auch Nacktschnecken lassen sich vom geübten Auge entdecken.

Jedenfalls, wenn einem die Strömung Zeit dafür lässt. Während man an ruhigen Tagen gemütlich an der Wand entlang schweben kann, gibt es aber auch Zeiten, wo die Strömung einen mit beachtlicher Geschwindigkeit an der Wand vorbei treibt. Und wenn man da keinen Strömungsschatten findet, sollte man nicht damit rechnen, allein mit Flossenkraft eine Position halten zu können. Insgesamt ist die Strömung nicht zu unterschätzen und kann im Norden auch mal vom Riff wegführen. Daher sollte man immer eine Boje mitführen, die man in solchen Fällen rechtzeitig zur Oberfläche aufsteigen lässt, um Zodiacs oder Bootsbesatzungen auf sich aufmerksam machen zu können, bevor man hunderte Meter vom Riff entfernt ist. Immerhin ist eine Boje wesentlich leichter und auch über größere Distanzen zu sehen, als der Kopf eines Tauchers.

Auch sollte man nicht unbedingt dazu neigen, ein mulmiges Gefühl zu bekommen, wenn man in unendliche blaue Tiefen blickt. Denn diesen Ausblick hat man hier reichlich. Speziell, wenn man sich ein wenig vom Riff entfernt, um Ausschau zu halten nach dem ein oder anderen Hai. Vielleicht sollte man dabei aber eher öfter auf den Tauchcomputer blicken, denn man verliert allzu leicht das Gefühl für die Tiefe und gerät zuweilen unerwartet schnell in kritische Bereiche der Nullzeit.
Zwar wartet das Riff auch im oberen Bereich zwischen 5 und 12 Metern mit reichlich Farben und Fisch, aber wer zu früh aus der Tiefe heraus muß, weil er vielleicht zu früh auf Tiefe gegangen ist, dem könnte noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit entgehen. So gibt es zum Beispiel eine Grotte im südlichen Bereich der östlichen Steilwand. Doch nicht die Grotte ist das sehenswerte, sondern die Chance auf Fischschwärme, die sich hier schon mal versammeln und dabei eher in 15 bis 20 Meter Tiefe kreisen.
Wie meistens an guten Plätzen verfliegt die Zeit und 60 Minuten sind unerwartet schnell vorbei, während sich der Zeiger des Finimeters langsam aber sicher dem roten Bereich nähert. Wer nun eine Boje mit sich führt, kann diese sinnvoll nutzen. Zum einen, um dem Zodiac zu signalisieren, dass das Ende des Tauchgangs bevorsteht, zum anderen, um ein Stück vom Riff entfernt den Sicherheitsstopp einzuhalten und dabei nichts anderes unter den Füßen zu haben als tiefblaues Wasser. Außerdem darf man nicht vergessen, dass nicht nur die eigenen Zodiacs präsent sind und andere auch schon mal Fahrt aufnehmen, um Taucher aufzunehmen. Wenn man sich also vom Riff entfernt, sollte man niemals außerhalb einer Boje auftauchen, um nicht unerwartet einem dieser Zodiacs im Weg zu stehen.

 
 

Für alle, die eine gute Lampe ihr eigen nennen, empfiehlt es sich, morgens die westliche und nachmittags die östliche Seite des Riffs zu betauchen. Gewiss taucht man dann auf der Schattenseite des Riffs und speziell früh morgens schafft es die Sonne noch nicht über das Riffdach. Aber obige Bilder geben einen Eindruck davon, wie farbenprächtig das Riff ist, wenn man eigenes Licht mitbringt und einzusetzen weiß. Besonders ab 10 Meter Tiefe kann das Licht der Sonne diese Farben nicht mehr zeigen und würde dem Einsatz von Lampen eher hinderlich (weil überstrahlend) im Weg stehen.

 

 

Was in Hurghada und Sharm el Sheikh die Regel ist, ist in Marsa Alam die Ausnahme. Gemeint sind Tauchgänge vom Boot aus. Zum einen liegt das daran, dass hierfür nur wenige Tauchplätze wie Dolphin House, Sharm Marsa Alam und je nach Basis auch Elphinstone und zwei weitere Riffe im  Angebot stehen, zum anderen vielleicht auch daran, dass die Boote generell nur vom Hafen von Marsa Alam aus ablegen. Und nicht jedes Hotel liegt im Umfeld der Stadt, sondern eher 20 bis 40 Kilometer entfernt. Also muß auch hier, genauso wie beim Einsatz des Zodiacs, zuerst mal der Minibus bemüht werden. Berühmt sind dabei die Tauchplätze Dolphin House und  Sharm Marsa Alam für häufige Sichtungen von Delfinen. Im Fall von Dolphin House stehen aber dieser möglichen Begegnung Regeln im Weg. So ist das Tauchen in der Bucht, in der die Delfine sich primär aufhalten, verboten. Auch Schnorchler dürfen sich diesem Bereich nur annähern und müssen Schwimmwesten tragen, was ein Apnoetauchen

ebenfalls unmöglich macht. So darf man nicht wirklich darauf hoffen, an diesem Platz in unmittelbare Nähe von Delfinen zu kommen. Sharm Marsa Alam hingegen kennt derartige Regeln bis jetzt noch nicht. Aber auch hier sind Sichtungen nicht sicher, da es sich hierbei um die Delfine vom Dolphin House handelt, die keineswegs täglich in Sharm Marsa Alam anzutreffen sind. Ansonsten ist der Tauchplatz aber recht schön und bietet im Norden größere Fischschwärme, die von jagenden Makrelen, Barakudas und Thunfischen umkreist werden. Im Süden hingegen gibt es den größeren Korallengarten, wo man häufiger Barsche findet, die sich gerne von Putzerfischen behandeln lassen. Aber auch hier kann man den ein oder anderen Fischschwarm sehen, wie zum Beispiel einen wirklich großen Schwarm Gelbstreifenschnapper, die einen Taucher auch schon mal mitten unter sich dulden.
Der dritte mögliche Tauchplatz befindet sich an der Westseite des Riffs, die eine buchtartige Struktur hat. Hier steht ein wirklich großer Riffturm, der über zwei bequem betauchbare Canyons verfügt. Außerdem findet man die Überreste eines versunkenen Safaribootes, was aber nicht unbedingt das Highlight des Platzes bildet. Sehr schön ist es dafür an einem kleineren Felsenturm, der sich westlich hinter dem großen befindet. Ihn kann man bequem und manchmal auch unter freundlicher Hilfe leichter Strömung umrunden und dabei Unmengen roter Riffbarsche, emsig fressende Doktorfische und reichlich Juwelenbarsche beobachten. Häufig findet man hier auch Quallen, an denen die Fische immer wieder knabbern, was die Quallen mehr oder weniger unbeschadet überstehen.

     
 
 

Unerwartet für's Tauchen im Roten Meer sind streckenweise die Sichtweiten. Beim Tauchen vom Strand findet man im Bereich des Einstiegs oftmals Eintrübungen, die die Sicht auf weniger als 15 Meter reduzieren und dem Wasser einen leicht grünlichen Stich geben. Je nach Tauchplatz betreffen diese Zonen einen mehr oder weniger großräumigen Bereich und bei einigen, wie Sharm Shuni, gelingt es auch, diesen zu verlassen und in gute Sichtweiten zu kommen. Eine weitere Schwierigkeit besteht des Öfteren darin, die eigentliche Abtauchzone zu erreichen. Mehr als einmal muß man hier durch knietiefes Wasser über scharfkantige Riffdächer laufen, was die Frage nach wirklich guten Neoprenschuhen aufkommen läßt. Und letztlich gibt es je nach Uhrzeit und Gelegenheit auch noch den ein oder anderen Stau, wenn gleich mehrere Tauchbasen ihre Gäste ins Wasser bringen. Kurz gesagt, das Tauchen in Marsa Alam bietet nicht nur Besonderheiten, wie ziemlich sichere Sichtungen von Schildkröten, wo hingegen Dugongs, Delfine, Hammerhaie und Hochseehaie zwar da sein können, aber nicht müssen,  sondern auch Eigentümlichkeiten, die man nicht unbedingt erwartet und die auch schon mal als unbequem bezeichnet werden können.


 

So deuten die Spuren auf den Korallen darauf hin, dass sich der Staub der Sandstürme (siehe Erläuterungen im Abschnitt Rahmenprogramm) hier ablagert. Dies betrifft in erster Linie die Küstenregionen und dort die Plateaus und großflächigen Korallen. Teilweise sind die Korallen derart mit Staub überzogen, dass sie deutlich an Farbe verlieren und stellenweise auch abgestorben sind. Und nicht selten findet man selbst in 30 Meter Tiefe Bedingungen, die hinsichtlich Farbe und Sichtweite an die Flachwasserbereiche (bis 8 Meter) von heimischen Seen erinnern.
Dabei ist das Maß der Beeinträchtigungen abhängig von der Riffstruktur. Gebiete, die dicht am  Ufer entlang verlaufen und  eine terrassenförmige Struktur  be
sitzen, zeigen wesentlich mehr Staubablagerungen als Steilwände oder Riffe, die sich vom Ufer weg zum Meer hin erstrecken, wie dies bei Sharm Shuni der Fall ist.
Gewiss findet man an den trüberen Plätzen auch immer wieder bessere Verhältnisse. Hier meist in mittleren Tiefen, aber für farblich gute Erlebnisse ist man gut beraten, wenn man eine Lampe benutzt, um den ein oder anderen Blick in Höhlen und Spalten zu riskieren. Die Angaben zu den Sichtweiten beziehen sich auf Mai/Juni 2010. Es gibt Aussagen dazu, dass die Sicht später im Jahr besser sein soll. Was, ungewohnt fürs Rote Meer, die Frage nach der besten Reisezeit aufkommen lässt.

      Die beiden Taucher sind etwa 10 Meter entfernt.

   
 

Rahmenprogramm. Wer neben dem Tauchen noch andere Aktivitäten im Sinn hat, ist in Ägyptens Süden nicht wirklich am richtigen Ort. Zwar kann man natürlich beinahe jede Art von Ausflug buchen, bis hin zu Luxor (Karnaktempel, Tal der Könige) und Kairo (Pyramiden), aber nicht ohne entsprechend lange Anfahrtswege oder Flugzeuge in Kauf zu nehmen.
Im direkten Umfeld von Marsa Alam wird hingegen eher wenig geboten. Ausflüge in die Wüste, mit Jeep oder Quad, sind natürlich fast täglich möglich. Wesentlich schlechter steht es jedoch mit so etwas wie einem Stadtbummel. Und selbst ein Ausflug ins gut 100 Kilometer entfernte El Quesir bringt da mehr Ernüchterung als Erholung und Einkaufsfreuden.
Zwar erinnert die Stadt an das Hurghada vor 25 Jahren, lässt aber die damalige hervorragende Kundenfreundlichkeit vermissen. Allzu sehr wird der Tourist hier nun bedrängt, Shops aufzusuchen, selbst wenn er sich für diese ganz offensichtlich nicht interessiert.

 

Strand, nördlich des Hafens an der Uferpromenade   Die Hauptstraße von El Quesir
 

Ganz nebenbei gelten Plastiktüten, Verpackungen, Dosen und Flaschen jeder Art wahrscheinlich nicht als Müll und sorgen hier für eine eher zweifelhafte Verschönerung von Strand- und Stadtbild.
Ein Weiteres, was man bei der Planung von Ausflügen berücksichtigen muß, ist das Wetter. Nicht wegen der Hitze, sondern wegen des immer wieder auftretenden Staubs. Moderate, von nicht allzu viel Wind getriebene, Sandstürme (Stürme darf man es eigentlich nicht nennen) blasen Unmengen von feinstem Wüstenstaub in die Luft. Was nicht nur die Sonne verschleiert, sondern auch die Sicht reduziert. Mancherorts auf kaum mehr als 500 Meter. Wer also die Wüstentour mit Astro Show (Sterngucken) bucht, sollte in dem Fall das Wetter genauestens im Auge behalten.
Für die reinen Quadtouren hingegen spielen die "Sandstürme" kaum eine Rolle. Die Quads selbst sorgen schon dafür, dass man reichlich eingestaubt wird.
Wie gesagt bietet Marsa Alam für Taucher einige Besonderheiten, wie Marsa Abu Dabbab, wo wirklich große Schildkröten zu bewundern sind und neben der Chance auf Delfine auch mögliche Haibegegnungen am Elphinstoneriff. Wer aber nicht nur Tauchen will, hat viel Freude, wenn er einen eher ruhigen Urlaub bevorzugt. In dem Sinne eigentlich kein schlechter Ort für frisch Verliebte, denen ich Hotels wie das Kahramana nahe legen würde.

 

Das Hotel Oasis ist eine im nubischen Stil erbaute Anlage und speziell auf Taucher ausgerichtet. Dies beinhaltet nützliche Kleinigkeiten, wie eine ganztägige Stromversorgung auf den Zimmern mit reichlich Steckdosen. Die Anlage ist halbmondförmig um das Haupthaus mit der Tauchbasis ausgerichtet. Die Wege sind verhältnismäßig kurz. Man geht über Sandflächen oder grobe Pflastersteine. Außer einem wöchentlichen Barbeque in einem Beduinenzelt am Strand gibt es praktisch kein Rahmen- programm, weshalb man nicht unbedingt mit Kindern anreisen sollte. Das Hausriff zeigt einen auf große Tiefe gehenden Steilhang und dementsprechend weniger Verstaubung als viele der ausgeschriebenen Tauchplätze. Der Einstieg erfolgt über einen recht großen Steg. Allerdings ist dieser von der Tauchbasis gut 300 Meter weit entfernt und auch etwa 30 Meter unterhalb der hier verlaufenden Steilküste, auf der das Oasis gebaut ist. Insgesamt ist die Anlage sehr ruhig, was auch das Abendessen betrifft, das ohne Musik oder Shows auskommt. Kritik kann man an jedem Hotel üben. Man muß nur lange genug suchen, um irgendetwas Kritikwürdiges zu finden. Weniger gut, wenn man etwas findet, ohne zu suchen... Was soll ich sagen, ich denke, man kann keinem Reisebericht vorbehaltlos trauen. Auch diesem hier nicht. Wer wissen will wie es ist, soll hinfahren.
Interessanterweise hat beim Transfer vom Flughafen der Busfahrer zweimal nachfragen müssen, wo sich das Oasis befindet....

 

Fazit

Objektiv betrachtet, bieten die Tauchplätze rund um Marsa Alam, mit Ausnahme des Elphinstoneriffs, nicht die Qualität, die man von Hurghada, Safaga, Dahab oder Sharm el Sheikh erwarten darf. Beim subjektiven Eindruck ist es naturgemäß anders. Dem einen mag es sehr gut gefallen, dem anderen eher weniger. Hinzu kommt eine etwas unübersichtliche Preispolitik, wobei sich die Tauchpreise je nach Tauchplatz deutlich ändern können. Hier werden nämlich stellenweise noch Eintrittsgelder von 3 bis 10 Euro fällig. Ebenso kostet die Zodiacfahrt zum Elphinstoneriff noch einmal 25 Euro extra, ebenfalls Aufschlag kostet der Ausflug mit dem Tauchboot. Nicht zu vergessen, dass für jeden Tag, an dem man taucht, unabhängig von der Anzahl der Tauchgänge, noch einmal 3 Euro verlangt werden. Zu einem gebuchten 5 Tage Tauchpaket können so leicht noch einmal 80 bis 150 Euro an Zusatzkosten hinzu kommen.
Dies alles macht es etwas schwierig zu entscheiden, ob Marsa Alam dem Norden  des Roten Meeres (Hurghada / Safaga oder Sinai) wirklich vorzuziehen ist. Letztlich muss dies jeder für sich entscheiden.

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass diese Einschätzung sich nicht auf die Safariboote bezieht, die im südlichen Roten Meer Tauchsafaris abseits der Küste anbieten.

 

 

Nachgedanken

Wenn man die Geschichte der Menschheit verfolgt, stellt man fest, dass sie in einer Art Wellenbewegung verläuft. So ist bei jedem Volk, jeder Nation und in der neueren Zeit auch  jeder Gemeinschaft von Nationen, eine Art rhythmischer Auf- und Abschwung zu beobachten. Einer schlechten Zeit folgt in der Regel ein Aufschwung. Also eine Zeit, in der man motiviert ist, sein Bestes zu geben, um eben ein besseres Leben führen zu können. Dieser Zeit folgt die Wohlstandsperiode. Und der Wohlstandsperiode folgt ein Nachlassen von Motivation, denn, wenn die meisten Bedürfnisse zu einfach gedeckt werden können, lässt auch die Bereitschaft zu besonderer Anstrengung nach. Was folgt, ist der Abschwung und wirtschaftliche Niedergang. Gleichzeitig wächst hier aber auch die Gier nach Besitz. Denn ein einmal erreichter Wohlstand will ja auf keinen Fall aufgegeben werden. Was folgt sind Schulden oder die Erweiterung der kostenpflichtigen Leistungen in Bereiche, die bis dahin als kostenloser Service oder Natürlichkeit zur Verfügung standen.
Leider hat sich dieses Preisdenken in kaum einer anderen Sportart als dem Tauchen in ähnlicher Form entwickelt. In den frühen 80er Jahren war Tauchen auch touristisch betrachtet eine Randerscheinung. Und in der heutigen Taucherhochburg Hurghada konnte man die Tauchbasen praktisch an den Händen abzählen. Tauchcomputer waren eher Neuland und Nitrox völlig unbekannt. Und die meisten Basen stuften die ankommenden Gäste nicht nach Brevets ein, sondern nach der Historie ihrer Taucherlogbücher. Zudem gab es weniger Bürokratie (der Anmeldebogen war wesentlich kleiner, mit wesentlich weniger Kleingedrucktem) und deutlich kleinere Preislisten.
Bei Bootstauchgängen war auch das Essen inklusive. Zuschläge für entfernte Riffe waren unbekannt. Ebenso wie Riffgebühren, Nationalparkgebühren, Extra Taucher Visum, Druckkammerspende, oder Ähnliches. Nichts dergleichen war auf Preislisten zu finden und Bleigurte, inklusive Blei, waren reichlich an Bord vorhanden.
Getaucht wurden generell 2 Tauchgänge. Die Frage, die Idee, nach einem dritten Tauchgang war nicht vorhanden. Warum auch? Die Tauchgänge dauerten 60 bis 90 Minuten. Und wer noch Luft in seiner Flasche hatte, konnte ohne weiteres auch noch mal Mittags unterm Boot umherpaddeln. Und das durchaus auch mal alleine. Zugegebenermaßen spreche ich hier von keinem ausgedehnten Tauchgang, sondern eher von einer Flucht vor der Mittagssonne. Wichtig ist nur, dass es möglich war. Und zwar, ohne dies als weiteren Tauchgang berechnet zu bekommen.

Und heute?

Ein Eintrag zur Ausfahrt mit dem Tauchboot, hier als Dailyboot bezeichnet, offenbart eine mehrspaltige Liste. Diese umfasst die Frage nach einem gewünschten dritten Tauchgang, ebenso wie die Frage zur Teilnahme am Mittagessen. Und neben den entsprechenden Spalten findet man dankenswerterweise die dazugehörigen Preise.
Am nächsten Morgen, noch vor der Abfahrt, Gebührenerhebung. Die versammelten Bootswilligen werden zur Kasse gebeten. 6,-- Euro sollen es sein. Noch nicht ganz wach, zücke ich das Geld, bezahle und frage dann, wofür ich nun zahle, während ich mich dunkel an die Spalten Lunch und Preise erinnere.
„Das ist für Essen und Trinken.“
Komisch, für Lunch hatte ich mich doch gar nicht eingetragen…..

Das erinnert mich an einen Ausflug in Tunesien. Eine Wüstentour, unter anderem zum Salzsee und zu einer wirklich malerisch gelegenen Stadt, tief in der Sahara. Auf dem Weg dorthin machen wir Station in einer kleineren Stadt, wo eine Rundfahrt mit der Kutsche angeboten wird. Mein Interesse daran ist eher lahm. Und als unser Reiseführer von mir das Geld für die Tour eintreiben will, lehne ich dankend ab, woraufhin er mich recht energisch, „Das machen alle so. Du kannst hier nichts anderes machen. Du stehst hier eine Stunde in der prallen Sonne.“ umzustimmen versucht. Nach einiger Zeit sieht er dann die Zwecklosigkeit seiner Versuche ein. Und was meine Standzeit in der prallen Sonne betraf. Die betrug wenig mehr als 20 Minuten.

Zurück zum Tauchen. Man hängt zwar die Liste aus, mit Wahl für Lunch oder nicht, aber man erwartet nicht wirklich, dass da jemand kein Kreuz macht. Jeder will doch schließlich essen, auch diejenigen, die den Urlaub mal gerne nutzen, um abzuspecken, das sind übrigens die Leute, die es nach Meinung von Reiseveranstaltern nicht gibt.
Wo früher (1990) also eine Tauchausfahrt, sagen wir 70 DM (Deutsche Mark, umgerechnet etwa 40,-- Euro) gekostet hat und keine weiteren Kosten mehr anfielen, kostet es heute 60 bis 70 Euro, plus 6 bis 10 Euro Essen, plus dem möglichen dritten Tauchgang (den nicht wenige in Anspruch nehmen, schließlich ist man ja zum Tauchen hier),  der dann noch einmal 20 bis 25 Euro kostet. Macht zusammen gut 100 Euro. Ach ja, und je nach Tauchplatz noch einmal Riffgebühren….
Dritter Tauchgang bedeutet hier übrigens, dass die ersten beiden Tauchgänge mit nur einer Stunde Oberflächenpause versehen sind. Und das bedeutet wiederum, dass man beim zweiten Tauchgang sehr leicht hart an der Nullzeit herumbalanciert. …..Schnell, schnell tauchen…, sonst schaffen wir den Dritten nicht…. Ach ja, ich wollte einen ruhigen, gemütlichen Tauchurlaub….
Die wachsende Zahl an Tauchwilligen, in Verbindung mit dem wachsenden Interesse an Gewinnmaximierung seitens der Basenbetreiber, lassen in manchen Regionen eine Preispolitik entstehen, die spätestens bei der Präsentation der Endabrechnung so manchem Taucher die Pupillen weitet.
Früher war es so, dass sich in der Regel der Wunsch, die Kunden zufrieden zu stellen und der Wunsch, das Konto zu füllen, in etwa die Waage hielten. Doch je mehr sich das Augenmerk auf das Konto richtet, desto mehr schwindet das Interesse am Wohl des Kunden….
Diejenigen, die seit mehr als 20 Jahren tauchen, sollen mir widersprechen, wenn sie möchten.

Wenig beliebt ist, wenn sich etwas zum Schlechten hin entwickelt. Noch weniger beliebt ist, wenn man zu laut und zu oft darüber spricht. Man wird schnell zum Spaßverderber. Allzu leicht wird übersehen, dass die wahren Spaßverderber diejenigen sind, die Erwartungen schüren, die nicht zu halten sind und diese in Preise kleiden, die einen schlucken lassen.

Schon als Kind hat man in den 70er Jahren folgendes gelernt. Je schöner die Verpackung einer Pralinenschachtel ist, desto misstrauischer sollte man sie betrachten und prüfend in der Hand wiegen. Wiegen, im Sinne von Gewicht abschätzen. Denn allzu oft stellt man beim Öffnen der Schachtel fest, dass nur einige der Pralinen so schön sind, wie äußerlich abgebildet und dass es oft auch weit weniger sind, als erwartet. Scherzhaft sagte man damals; „Die Verpackung ist teuerer, als der Inhalt.“

Zugegebenermaßen ist dies ein subjektiver Eindruck. Denn Taucher, die erst in der neueren Zeit, sagen wir seit weniger als 10 Jahren, in Ägypten tauchen, kennen es nicht anders. Ihnen fehlt der Vergleich zum Tauchen vor 20 Jahren und damit ist ihnen eine Bewertung der heutigen Situation nicht möglich. Auf der anderen Seite findet man die älteren „Rote Meer Taucher“ auch nicht mehr, oder nur noch selten, auf den typischen Tauchbasen.

Was nun wieder weniger subjektiv ist, ist die kritische Auseinandersetzung mit der Werbung. Hier ist bei allen Angeboten Misstrauen durchaus angebracht. Anpreisungen,…hier kannst du dies, dort kannst du jenes, du kriegst zu sehen…, wecken allzu leicht Vorstellungen und freudige Erwartungen, die nicht selten in Ernüchterung enden.

Als Beispiel sei hier der viel gepriesene Tauchplatz Dolphin House zu nennen. Dieses hufeisenförmige Riff liegt 1 ½ Bootsstunden von Marsa Alam entfernt und gilt als Heimat einer großen Delfinschule. Und die Werbung besagt, dass man hier mit Delfinen tauchen und schnorcheln kann. In Wahrheit ist der innere Bereich des Riffs in mehrere Sperrzonen unterteilt. Für Taucher ist der innere Bereich gänzlich gesperrt. Schnorchler dürfen etwas näher hinein, aber auch nicht bis ins eigentliche Delfingebiet. Zudem müssen sie Schwimmwesten tragen. Ein Abstieg zu einem in die Bucht hinein- oder hinausschwimmenden Delfin in Apnoe ist somit ebenfalls ausgeschlossen. Der übrige Tauchplatz Dolphin House ist, nach übereinstimmender Aussage mehrer Taucher, eher uninteressant.

Ein weiterer Platz wo man Delfine sehen kann, ist Sharm Marsa Alam. Dieser Platz ist dem Dolphin House nicht unähnlich, unterliegt aber keinerlei Beschränkungen. Eher zufällig bekam ich die Information, dass es sich bei den Delfinen von Sharm Marsa Alam um die Dolphin House Schule handelt und diese immer wieder zwischen den beiden Riffen wechseln. Das heißt, fährt man zu Dophin House können die Delfine in Sharm Marsa Alam sein. Fährt man nach Sharm Marsa Alam, können sie am Dolphin House sein oder auch irgendwo auf dem Weg dazwischen.
Absolut normal für frei lebende Delfine, aber eher schlecht für Taucher und Schnorchler, die in der Hoffnung auf Delfine eben diese Tauchplätze anfahren. Entgegen aller, teilweiser vollmundiger, Werbungen und Aussagen ist es reiner Glücksfall, ob man sie sieht oder nicht.

Wenn ich nun ein Fazit ziehen soll über das Tauchen in Marsa Alam, liegt mir auf der Zunge zu sagen; „Fragt mich nicht.“

Tatsächlich habe ich im Osten der Türkei (Kalkan und Kas) schon bessere Tauchgänge erlebt und im Sommer, mit Rochen und Thunfischen, auch mehr Großfische. Selbst Delfine habe ich dort öfter gesehen. Und auch die Preise sind mehr als nur besser. Tatsache ist auch, dass die Tauchplätze von Marsa Alam mit den Plätzen im Norden des Roten Meeres nicht mithalten können. Und somit muss auch das Preisniveau von Marsa Alam als eher schlecht bewertet werden, wobei berücksichtigt ist, dass es auch hier je nach Tauchbasis mehr oder weniger starke Unterschiede gibt.
Dennoch, der Zustand der Riffe, mit ungewöhnlich hoher Sedimentablagerung und mancherorts hiervon sichtlich in Mitleidenschaft gezogenen Korallen, in Verbindung mit teilweiser schlechter Sicht und den oft recht unbequemen Zugängen zum Abtauchbereich beim Tauchen von Land, machen Marsa Alam nicht unbedingt zu einer taucherischen Attraktion.
Unbedingt abraten möchte ich davon, zuerst im Sinai (Straße von Tiran) zu tauchen und anschließend in Marsa Alam. Aber was rede ich, jeder soll seine eigenen Erfahrungen machen. Schließlich sind dies die einzigen, denen man wirklich trauen kann.

Noch eine letzte Empfehlung. Rechnungen sollten vielleicht besser in bar bezahlt werden. Eine mit IC-Karte beglichene Rechnung über 4800 Ägyptische Pfund, nach tagesaktueller örtlicher Umrechnung etwa 679,-- Euro, ergab eine Abbuchung von 728,-- Euro auf hiesigem Konto. Wieso? Umrechnungsarten, Bankgebühren, Devisen…, irgendetwas in der Art. An derart hohe Kursschwankungen innerhalb von zwei Tagen, länger hat es von Eingabe der Geheimnummer bis zur Abbuchung tatsächlich nicht gedauert, mag ich nicht so recht glauben.
 

(c) Herbert Haß (Juni 2010)